Anstieg des Euribors - Immobilienkrise in Spanien?
Tuesday, 04. September 2007


  Erneute Erhoehung des EURIBORs.


Der Euribor (Zinssatz für Termingelder in Euro im Interbankengeschäft) ist derzeit an einen Hoechststand der letzten sieben Jahren geraten, am 23.08.07 stieg er auf atemberaubende 4,791% an. Man muss bis ins Jahr 2000 zurückgehen, um einen höheren, als den aktuellen Prozentsatz zu finden. Der gestrige Anstieg, um 0,077 Punkte, ist seit 2005 der größte an einem Tag registrierte Anstieg.Eine wichtige Rolle spielen hier mit Sicherheit die Finanzwirbelstürme aus den USA, die einen Liquiditätsengpass im Interbankengeschäft zur Folge hatten. 
Die erneute Erhöhung des Euribor ist vor allem für die spanischen Familien ein starker Schlag, da diese bereits über 40% ihres Einkommens  für ihre Wohnstätte ausgeben. Am schwersten betroffen, sind  diejenigen, die ihre Hypothek ab 2004 und 2005 abgeschlossen haben, da sie sich mit einer größeren Summe  und für längere Zeit verschuldet haben. Hierbei muss man wissen, dass die Mehrzahl der spanischen Haushalte eine Hypothek, mit einem variablen Zinssatz hat. Dies war noch vor einigen Jahren in den „niedrig-zins- Zeiten“ günstig, hat sich nun aber zu einem großen Nachteil gewandelt, da die monatliche Zinszahlungen extrem angestiegen sind. Momentan bedeutet der starke Anstieg des Euribors eine durchschnittliche Erhöhung der jährlichen Hypothek um 1.080€, also mehr als 90€ pro Monat.Grund der erneuten Erhöhung ist sicherlich die Intention der EZB die Währungsstabilität in der Eurozone zu gewährleisten.
Spanien befürchtet nun eine Immobilienkrise.  Momentan verzeichnet der an stark steigende Immobilienpreise gewöhnte spanische Immobilienmarkt nur sehr  geringeren Wertsteigerungen und vielerorts sogar Verluste. 
Sollte sich dieser Zustand nun auch weiterhin so ausbreiten, z.B. durch Konkurs privater Haushalte, Zwangsversteigerungen , so kann man sich die schweren Auswirkungen ausmalen, wie z.B. steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Wachstumsraten ...Die Spanier haben auch gerade deswegen so große Angst vor einer Immobilienkrise,  da das Land dem Bauboom, der Konstruktionsbranche, sein hohes Wirtschaftswachstum der letzten Jahre verdankt.
Weitere Folgen der befürchteten Immobilienkrise wären zum anderen, dass die Schuldner die Wohnungen abbezahlen müssten, die sie zu viel höheren Preisen erworben haben. Auch die Banken würden Verluste machen, da sie bei Zwangsversteigerungen Geld verlieren. 

Ein weiteres Risiko das der spanische Immobilienmarkt momentan noch mit sich bringt, ist dass, auch wenn es in Spanien eigentlich keine Risikohypotheken gibt, so wie in den USA, so vergeben die Banken doch seit einigen Jahren immer wieder Kredite, die ein großes Risiko bergen. So finanzieren z.B. viele Banken Wohnungen ohne Anzahlung (Die Hypothek beträgt in manchen Fällen mehr als 100 % des Objektwertes) , und nehmen selbst Bescheinigungen über Schwarzeinkünfte als Lohnabrechnung an, die sie dann bei der Risikoberechnung als Ergänzung akzeptieren. 

Wären die schon erwähnten Fakten nicht schon negativ genug, so kommt nun auch noch dazu, dass die Verschuldungsrate Spaniens in den letzten Jahren die 100% überschreitet, im vergangen Jahr lag sie bei 115% (ein Anstieg um immerhin 44,3% seit 2000).Die durchschnittliche jährliche Verschuldung einer Familie ist im Zeitraum vom Jahr 2000 bis 2006 auf 16% angestiegen. Weitere Zahlen zeigen, dass das Nettovermögen der spanischen Familien von  146% im Jahr 2000 auf  127,8% im Jahr 2006 gefallen ist. Momentan geben 57% der spanischen Haushalte zu, Schwierigkeiten zu haben, ohne finanzielle Probleme  an das Ende des Monats zu gelangen.
Egal, wo nun genau die Auslöser oder „Schuldigen“ des starken Anstiegs des Euribors liegen, viele Spanier wissen nur, dass sehr wahrscheinlich zukünftig weniger schöne Zeiten auf sie und ihren Geldbeutel hinzukommen werden.

 

Links: 

http://www.capital.es/index.php?option=com_content&task=view&id=1568&Itemid=1

http://www.capital.es/index.php?option=com_content&task=view&id=1563&Itemid=1

 

 El Pais – spanische Tageszeitung  29.10.07 – „Bauwut in Spanien soll gbremst werden“
 

In den letzten Tagen ist bekannt geworden, dass die spanische Regierung gegen den „wilden Städtebau“ an den Küstenlinien Spaniens vorzugehen plant.
Der Regierungsplan sieht anscheinend vor, 776 km der bebauten Küstenlinie zurückgewinnen.
Seit dem Jahr 1988 besteht in Spanien das „ley de costas“, das Küstengesetz, das aussagt, dass jeder Strand öffentlich ist und das eine unbebaute Zone von mindestens 106 m bestehen muss, so dass jeder den Strand erreichen kann. Innerhalb dieser Zone dürfen nur Sportplätze und Ackerland installiert werden. Für einige spezielle Häuser, die schon vor 1988 errichtet wurden, die vom Gesetzgeber eine Konzession bis zum Jahr 2018 bekommen haben, gilt momentan noch eine Ausnahme.
In dieser Schutzzone werden aber trotz des Küstengesetzes beinah seit dem 20 jährigen Bestehen des Gesetzes, durchgehend neue Hotelkomplexe und Ähnliches konstruiert.
 Dies will sich das spanische Umweltamt nicht mehr weiter bieten lassen und will nun endlich etwas unternehmen.
Am nächsten Mittwoch wird die Regierung den autonomen Gemeinschaften Spaniens einen Pakt (Estrategias para la sostenibilidad de la costa) vorschlagen, der nicht nur etwas gegen den wilden Städtebau unternehmen soll, sondern auch zum Abbruch der Hotels, Häuser, ect. führen soll, um so die angeschlagene Küste wieder regenerieren zu können.
Die Regierung ist davon überzeugt, dass dieser Plan, auch wenn sicherlich einige Spanier sehr verärgert darüber sein werden, doch zum Allgemeinwohl beitragen wird.
Der Pakt der Regierung betrifft momentan nur das Mittelmeer, die Balearen, die Kanaren, Cadiz und Huelga. Kantabrien wird noch nicht berücksichtigt, da dieser Landstrich noch nicht so sehr urbanisiert ist.
Für die nächsten Jahre ist nun geplant, auf einer Strecke von 776.972km mediterraner und kanarischer Küste, Konzessionen loszukaufen, dass heißt den Eigentümern, der vor 1988 erbauten Gebäude, ihre noch bis 2018 geltenden „Wohnerlaubnisse“ abzukaufen und die Gebäude abreißen zu können.
Wichtig, um den erfolgreichen Ausgang des Regierungsplanes versichern zu können, ist die Zusammenarbeit zwischen den Stadträten (ayuntamientos) und den Gemeinschaften (comunidades), denn das Ministerium besitzt nur über die ersten Meter der Küste Entscheidungsbefugnis. Das Ministerium beabsichtigt somit, dass die Stadträte sich um die Eigentümer kümmern, die ihre Grundstücke etwas weiter entfernt von der Küste besitzen.
Den Plan umzusetzen wird an die fünf Milliarden Euro kosten.
 

Die Betongrenze im Mittelmeerraum ist inzwischen schon soweit fortgeschritten, dass 36% städtischer/bebauter Boden (suelo urbano) sind und weitere 11% sind erschließbar.
Das will soviel heißen, das etwa 1000km der vordersten Strandreihe im mediterranen und kanarischen Raum schon bebaut sind oder auf dem besten Wege dorthin sind.
Andererseits muss man auch die 32% unter Schutz stehender ersten Küstenlinie nennen, was aber wiederum nicht heißen soll, dass 100m Meter weiter dahinter nicht gebaut werden darf und wird; um die 23% der ersten Küstenlinie sind unbebaubar.
 

Das Umweltamt plant nun einen 782km langen naturellen Weg entlang der Küste zu erschaffen, so dass man die Küste zu Fuß oder mit dem Fahrrad abfahren kann.
Ein weiterer Punkt, den der Plan im Auge behält, ist die Anhebung des Meeresspiegels, auf Grund der Erderwärmung. So heißt es, dass bis 2050, die Strände um gemittelte 15m zurückweichen werden. Deswegen ist es wichtig, sich jetzt schon Gedanken zu diesem Thema zu machen. Der Regenerierungsplan sieht also nun also vor, Spaniens Dünen wieder zu regenerieren und Bauprojekte, die diesem im Weg stehen, zu entfernen.
An der Küste Teneriffas wurden bereits im Oktober vergangenen Jahres 418 Häuser schlechter Qualität abgerissen, die 2191m der Küste in Anspruch nahmen. Auch wenn dies eigentlich im Einverständnis der Eigentümer geschah, so demonstrierten diese doch und die Abrissarbeiten mussten von der Polizei überwacht werden.
Seit dem Jahr 2004 hat das Umweltministerium weitere 337 Gebäude abreißen lassen, dabei handelte es sich meistens um kleine Fisherhäuser oder ähnliches, nur in Ausnahmefällen waren bis jetzt große Gebäude davon betroffen.
Auch die Küstengebiete Mallorcas sollen zukünftig regeneriert werden, es handelt dabei sich speziell um einen Küstenabschnitt von 3km Länge, der von einer Gruppe Millionäre „privatisiert“ wurde.
Weiterhin sieht das Ministerium die 100%ige Abgrenzungen zwischen öffentlichen und privaten Küstenabschnitten vor. Diese „Formalität“ ist in der Theorie zwar einfach zu regeln, kann aber in der Praxis einige Jahre in Anspruch nehmen.
Eigentlich sollten schon 1993 alle Abgrenzungen abgeschlossen sein, aber bis zum heutigen Tage müssen noch 20%, rund 2000km der Küste diesen Instanzenweg gehen, das Ministerium geht davon aus, das die Abgrenzungen 2008 abgeschlossen werden sein.
Das dritte Standbein der Küstenpolitik ist der Ankauf von Grundstücken, die Regierung hat 32 Finka`s auf 105.854.789€ geschätzt, falls sie es nun auch noch schaffen sollten, all diese Häuser zu kaufen, wäre das ein regelrechtes Schnäppchen.
Vergangene Woche gab die Regierung bereits den Kauf der Insel Salvora und der kleineren Inseln Noro und Vionta bekannt, die nun der Allgemeinheit zugänglich sind. Die Investitionen betrugen hierbei 8,5 Millionen €.
 

 

 

 


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